Wie oft hast du diese Woche schon eine Ausrede gehört, aber keine Entscheidung?

Der Vertrieb sagt, Marketing liefere keine guten Anfragen. Marketing sagt, Vertrieb rufe nicht zurück. Die Technik sagt, beide wüssten nicht, was möglich ist. Ich saß am Ende dieses Meetings da und habe mich gefragt, ob ich hier eigentlich Chef bin oder Streitschlichter.
Kommt Dir bekannt vor? Ihr seid fachlich stark und auch durchaus erfolgreich am Markt unterwegs. Aber über diesen Punkt seit ihr noch nicht hinweg: Die Übernahme von Verantwortung!
Kürzlich im Potentialgespräch mit einem Geschäftsführer, Anfang Fünfzig, IT-Dienstleister, 180 Mitarbeitende ist es mir erst wieder so ähnlich begegnet. Manchmal sind es Vertrieb und Technik, manchmal Innendienst und Außendienst, manchmal drei Führungsebenen übereinander. Der Kern ist immer derselbe: Erklärungen sind reichlich vorhanden. Verantwortung nicht.
Ausreden sind Systemleistung, keine Faulheit
Wenn Verkäufer sich hinter Argumenten verstecken, warum ein Abschluss nicht kam, ist das nicht Bequemlichkeit. Es ist eine gelernte Antwort auf eine Umgebung, in der Verantwortung als Risiko empfunden wird und Erklärungen als Sicherheit. Wer einen Verlust zu Ende argumentieren kann, ist beim nächsten Meeting sicher. Wer keine Erklärung parat hat, steht allein.
Dasselbe Prinzip gilt für die Verkäufer, die ihre Gespräche nach Skript führen. Ein Skript ist eine hervorragende Ausrede für ein Gespräch, das nicht gelaufen ist. Nicht ich, das Skript. Das sagt niemand laut. Aber es entlastet in dem Moment, in dem etwas hätte gesagt werden müssen, was nicht auf dem Blatt stand.
Dasselbe Prinzip gilt für die drei Abteilungen, die sich im Meeting die Bälle zuwerfen. Solange kein Bereich für ein Ergebnis einsteht, muss auch keiner es tragen. Was aussieht wie Silodenken, ist in Wahrheit ein perfekt eingespieltes System der Verantwortungsverteilung.
Als Konstruktivist kann ich folgendes erkennen: Es gibt einen wahren, tiefer liegenden Grund, warum Leistungen nicht erbracht werden. Möglicherweise ist Angst ein Thema. Vielleicht auch Unsicherheit resultierend aus Unwissenheit. Sich einer Ausrede zu bedienen oder eine schlüssige Argumentation zu entwickeln, warum es am Material oder an den Kollegen lag, ist oft einfacher, als hinter seine eigene Kulisse zu blicken. Tatsächlich sind vielen Menschen diese Zusammenhänge nicht bewusst. Rechtfertigungen sind schon zu lange Zeit das Mittel der Wahl.
Ein starkes Selbstwert-Gefühl ist die Voraussetzung
Verantwortung übernehmen heißt, Fehler zulassen. Öffentlich, sichtbar, überprüfbar. Wer für eine Entscheidung geradesteht, riskiert, dass sie falsch war, und dass ihm das jemand sagt.
Wenn Menschen sich das zutrauen, dann nicht, weil sie diszipliniert sind. Sie tun es, weil sie es aushalten können, wenn eine Entscheidung nicht aufgeht, ohne dass sie selbst als Person infrage stehen. Wer diese Trennung nicht hinbekommt, kann sich Verantwortung nicht leisten. Er ist zu identifiziert mit dem Ergebnis, um es unbeschadet abgeben zu können.
Der Grund für diese Trennung ist Selbstwert. Der wächst nicht aus Erfolg, sondern aus Selbstkenntnis.
Ein Mensch, der weiß, wie er tickt, wo seine Muster liegen und warum ihm bestimmte Situationen schwerfallen, muss sich in schwierigen Momenten nicht selbst verteidigen. Er kann sich sortieren. Er kann trennen zwischen dem, was er tut, und dem, was er ist.
Ein Mensch, der sich selbst nicht kennt, hat diese Trennung nicht. Er verteidigt bei jedem Angriff auf eine Handlung sich selbst als Person. Deshalb geht er dem Angriff aus dem Weg. Er erklärt, rechtfertigt, schiebt weiter.
Aus Sicht der Führung sieht das aus wie mangelnde Eigenverantwortung. Aus seiner eigenen Sicht ist es Selbstschutz.
Der Weg ist unbequemer, aber kürzer als der Umweg
Die meisten Geschäftsführer versuchen, das Verantwortungsproblem über Ziele zu lösen. Klarer definierte Verantwortungsbereiche, engere Zielvorgaben, eindeutige Zuordnung von Aufgaben. Sinnvoll, ändert aber selten etwas an der Substanz. Menschen erfüllen Ziele. Sie tragen deshalb noch keine Verantwortung.
Der Umweg, den ich stattdessen empfehle, klingt vielleicht erstmal ungewöhnlich: bei der Person anfangen, nicht bei der Rolle. Wer versteht, wie er tickt, wo er ausweicht und warum er sich manchmal zu sehr identifiziert, muss sich nicht mehr hinter dem Skript verstecken, hinter dem anderen Bereich oder hinter dem schwierigen Markt.
Dann passiert etwas, das die Beteiligten selbst überrascht: Das Silodenken beginnt zu bröckeln, weil niemand mehr etwas davon hat, es aufrechtzuerhalten. Die Ausreden werden weniger, weil sie nicht mehr gebraucht werden. Die Gespräche mit Kunden werden anders, weil die Verkäufer wieder Menschen gegenüber Menschen sind, statt Rollenträger gegenüber Zielgruppen.
Verantwortung fängt zwei Etagen tiefer an, als die meisten Führungssysteme sie ansiedeln. Nicht bei der Zielvereinbarung. Nicht bei der Rolle. Bei der Selbstkenntnis der Menschen, die die Rollen tragen.
Wenn Du in Deinem Unternehmen ähnliche Muster siehst und einen ersten ehrlichen Blick darauf werfen willst, wo Deine größten Verantwortungshebel liegen dann lass uns sprechen.
Auf meiner Website findest Du den Link zu meinem Kalender.
Du bist nicht sicher ob Du schon ein Gespräch möchtest?
Dann teste meinen 3-Minuten Potential Check. Gerne völlig anonym - oder auch mit Feedback, wenn Du Deinen Namen hinterlässt. In jedem Fall garantiert hilfreich und streng vertraulich.
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Beste Grüsse
Marc Hülsers



















